Zirkulationsstörungen des ZNS

(V. Seidel Klinik für Neurologie; E. Reusche- reusche@patho.uni-luebeck.de)

 

 

1. Hirntod

(klinisches Kennzeichen: Dissoziierter Hirntod; pathologisch: intavitale Autolyse)

1. Ätiologie: multifaktorielle, intrakranielle Volumenzunahme, die den arteriellen Perfusionsdruck übersteigt und ein vollständiges Sistieren der arteriellen Perfusion bewirkt.

2. Pathogenese: z.B. Hypoxie bei protrahierter Reanimation, Intoxikation, Blutung, Tumor, Entzündung, Trauma etc.

3. Prognose: irreversible Autolyse des gesamten intrakraniellen ZNS. 

4. Symptome: Koma, EEG-Nullinie, Areflexie, erloschene vegetative Funktionen.

 

Cave: Je nach Ätiologie können sich Klinik und Pathologie von apallischem Syndrom und hypoxischem Hirnschaden überschneiden/ähneln.

 

2. Apallisches Syndrom

(Synonyme: Wachkoma,Coma vigile, persistierender vegetativer Status, Coma depassé)

1. Ätiologie: Unterbrechung der Bahnen Großhirn-Mittelhirn/Hirnstamm.

2. Pathogenese, bei Z.n. schwerem Schädel-Hirn-Trauma: obere Herniation mit Druck auf Hirnschenkel/Mittelhirn und/oder Schädigung von Bahnsystemen (Axonzerreissungen), und/oder Riss von Blutgefäßen.

3. Prognose: je nach Art und Schwere der Schädigung Reversibilität über Jahre möglich..

4. Symptome: Wachkoma, pathologisches EEG, Reflexsteigerung, Spastik, (erhaltene) vegetative Funktionen.

5. Inzidenz: ca. 200 SHT/100.000/Jahr; 10-14% apallische Syndrome nach schwerem SHT;

 

3. Hypoxisch - ischämischer Hirnschaden

1. Ätiologie: Hypoxie-Vulnerabilität von Neuronen in Groß- und Kleinhirn (und Hirnstamm)

2. Pathogenese häufigerer Beispiele: hämodynamisch als Z.n. Reanimation; metabolisch als  Hypoglykämie bei Diabetes; histotoxische Hypoxie bei CO-Intoxikation (und Cyankali)

3. Prognose, je nach Länge der Hypoxie/Anoxie: reversibel bis Decerebration und Tod

4. Symptome: Bewusstseinstörungen bis Koma, pathologisches EEG, Spastik, (erhaltene) vegetative Funktionen.

 

4. Epidemiologische Daten zu Hirndurchblutungsstörungen in Europa

1. Mortalität: zwischen 90 und 200 Fällen auf 100.000 Einwohner

2. Inzidenz: 110-290 Erkrankungen auf 100.000 Einwohner

  - entsprechend etwa 1.000.000 jährlicher Erkrankungen in Europa

3. Prävalenz: UK: 486/100.000, Kopenhagen: 651/100.000 Männer und  385/100.000 Frauen

4. Prognose: 25-30% der Patienten sterben innerhalb drei Wochen nach der Erkrankung.

  - Mehr als 50% der Patienten werden wieder gehfähig.

  - 20-30% bleiben schwerbehindert.

  - Rezidivrate 9% pro Jahr. Deutlich niedrigere Rezidivrate vor dem 50. Lebensjahr.